Mit Krankheit gestartet
Mein Leben begann 1975 in einer russischen Industriestadt. Mein Vater war ein Werksarbeiter, meine Mutter hat als Köchin in einer Kantine gearbeitet.
Als ich 2 Jahre alt wurde, hatte ich einen schweren Fall von Pseudokrupp. (Als Pseudokrupp  vereinfachend manchmal auch Krupp, von schottisch croup, „Heiserkeit“ kommend, wird eine unspezifische Entzündung der oberen Atemwege im Bereich des Kehlkopfes bezeichnet. = Ergänzung durch Redaktion) Dadurch, dass ich Atemschwierigkeiten hatte, hat sich in meinem Gehirn ein Auslöser für epileptische Anfalle gebildet, die ich seit meinem 6. Lebensjahr hatte.
Die Krankheit und mein deutscher Name machten mich in der Schule zum Außenseiter.
Wir waren Bürger der Sowjetunion, in der alles, was mit Glauben und Religion zu tun hatte, streng verboten war. Die Christen mussten sich deswegen heimlich versammeln, um keine Haft zu riskieren. Meine Oma war evangelisch und hat sich mit anderen Dorf-Omis getroffen, um gemeinsam Kirchenlieder zu singen und zu beten. Sie brachte mir ein „Gebet“ in Deutsch bei: „Abba, lieber Vater! Amen.“ Ich habe den Sinn der Worte nicht verstanden, weil ich kein Deutsch beherrschte, aber ich sprach jeden Abend diese Worte aus, in der Hoffnung, dass Gott mich hört.
Als ich begann zur Schule zu gehen, wurde ich von der Sowjetpropaganda so stark beeinflusst, dass ich anfing zu glauben, dass es nur einen guten Opa Lenin gibt und es keinen Gott geben kann, weil das die Wissenschaft nicht bestätigte.
Die Beziehung zu meinem Vater war sehr schwierig. Er hat mich nur als Arbeitskraft benutzt, um Vieh zu versorgen oder ähnliche Arbeiten zu verrichten. So hatte ich als Kind wenig Freizeit, weil ich immer dafür verantwortlich war, dass unsere Tiere gut versorgt sind und dass im Garten alles in Ordnung ist. Deswegen kamen immer mehr Minderwertigkeitskomplexe in mir hoch und ich dachte manchmal sogar an Selbstmord, als mein Vater sich mit mir wieder wegen irgendeiner Fahrlässigkeit im Stall oder im Garten gestritten hat.

Die Wende durch Gorbatschow
Als ich im Teenageralter war, wurde gerade Michail Gorbatschow Präsident der Sowjetunion. Und durch seine „Perestrojka“ (zu Deutsch: Umbau) hat er auch für die Religionsfreiheit gesorgt. So habe ich eines Tages eine christliche Sendung im Fernsehen entdeckt, in der man sich über Gott und die Bibel unterhalten hat.

Ein Gebet
Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich betete dann abends so: „Gott, wenn es Dich wirklich gibt, möchte ich Dich kennen lernen!“
Doch dieses Gebet hatte keine sofortige Auswirkung auf mein Leben. Meine Krankheit wurde nur schlimmer und meine Eltern suchten nach Mitteln und Wegen, um mir irgendwie zu helfen. Sie haben mich zu den Omas gebracht, die angeblich durch „Besprechen“ heilen könnten. Auch mit Fußmassage haben sie es probiert, aber alles hat nichts gebracht. Ich wurde sogar zu einer Uniklinik in St. Petersburg gebracht, die als Hochburg der russischen Neurologie galt, um dort untersucht zu werden. In einem Monat dort habe ich mich wie in einer Gefängniszelle gefühlt, aus der wir nur ein einziges Mal nach draußen gebracht wurden, um bisschen frische Luft zu schnappen. Eines Tages habe ich das nicht mehr ausgehalten und bin durch das Fenster (vom Erdgeschoss) rausgesprungen, um frische Luft zu schnappen. Aber ich wurde sofort eingefangen und in ein extra Zimmer gebracht, wo ich dann unter strenger Beobachtung blieb.

Untersuchungen im Krankenhaus
Und die eigentliche „Untersuchung“ sah so aus: Die Schwestern haben nur beobachtet, wann bei mir der Anfall kommt, dann wurden verschiedene Medikamenten an mir ausprobiert und der Darm entleert. Also, eigentlich hat das nichts mit Neurologie zu tun. Und so wurde ich erneut enttäuscht.

Die Umkehr
Zwei Jahre später kam ein Zahnarzt in unser Dorf, der nur ein paar Tage lang die Bewohner behandeln wollte. Er war ein gläubiger Christ. Er hat meine Physik-Lehrerin zum Glauben geführt und sie lud eine Jugendgruppe aus einer Gemeinde zu unserer Schule ein. Als ich diese jungen Leute sah, kamen sie mir alle so bekannt vor, dass ich mich nur gewundert habe, denn ich konnte sie unmöglich irgendwo gesehen haben. Nach ihrem Vortrag haben sie mich eingeladen, ihren Gottesdienst zu besuchen. Ich habe die Einladung angenommen und besuchte deren Gottesdienst. Dort wurde ich mit einem Neuen Testament beschenkt, das ich gleich von Anfang bis zum Ende durchgelesen habe, ohne wirklich etwas zu verstehen.

Gottesdienst
So besuchte ich einige Gottesdienste und als ich im Begriff war, dorthin zu gehen, hatte ich plötzlich Zweifel, ob ich das Richtige tue. Doch ich habe mich entschieden, trotzdem in den Gottesdienst zu gehen. Als er zu Ende war, sah ich zwei Männer vor der Bühne, die beteten. In dem Moment spürte ich, wie es mich innerlich zu ihnen hinzieht, damit ich mich ihrem Gebet anschließe. Ich stellte mich daneben und begann alle möglichen frommen Worte auszusprechen, die ich vorher hörte: „Halleluja! Hosianna! Lob sei Gott!“ Ich hatte ja keine Ahnung wie man betet.

Wie betet man?
Bald spürte ich, wie der Geist Gottes mich mit einer großen Freude und einem tiefen Frieden erfüllte. Dann begann ich in unbekannten Sprachen zu beten. Seit dem Moment wusste ich tief in mir: „Jetzt bin ich ein Kind Gottes!“ So wie die Bibel sagt: „Der Geist Gottes gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Brief an die Römer, Kapitel 8, Vers 16)

Die Angriffe
Ein Mann hat mich allerdings gewarnt: „Dem Teufel gefällt es aber nicht, dass Du ein Kind Gottes geworden bist!“ Das war mir in dem Moment absolut egal, denn ich wollte den ganzen Tag vor Freude nur tanzen und jubeln. Als ich aber nach Hause kam, habe ich verstanden, was diese Person meinte. Meine Eltern haben mich angegriffen und mir verboten die Gottesdienste zu besuchen. So wurde ich gezwungen, dies heimlich zu tun. Das bewirkte noch mehr Ärger, aber das nahm ich in Kauf, denn ich wollte meinen Gott immer besser kennen lernen.
Schon am Anfang meines Glaubenslebens habe ich Gott um starken Glauben gebeten. Ich las in der Bibel viele wunderbare Verheißungen, die ich durch den Glauben in Anspruch nehmen kann und eine von ihnen war: „…und durch Seine Wunden sind wir geheilt.“  (1. Petrus-Brief, Kapitel 2, Vers 24) Als ich das las, dachte ich: „Das ist doch für mich!“ So habe ich nach jedem epileptischen Anfall dem Teufel gesagt: „Mich kannst Du nicht mehr betrügen, denn ich bin geheilt durch Jesu Christi Wunden!“

Wachstum an Glauben
Damit mein Glaube wachsen konnte, führte mich Gott durch Umstände und Situationen, in denen mehr Glauben nötig war. Ich musste lernen, mit jeder Not zu Ihm zu kommen und sie bei Ihm abzugeben, im Vertrauen, dass Er mir hilft. So hat Er mich immer gut versorgt und mir aus den Schwierigkeiten geholfen. Ohne Gottes Schutz wäre ich als Epileptiker schon längst zum Tod verurteilt gewesen. Gott hielt mich z.B. an einem Berg, als ich beim Klettern an einem Felsen hing und einen Anfall hatte, so dass ich beim Aufwachen aus dem epileptischen Anfall aufrecht stand und weiter klettern konnte.

In Deutschland
Als wir 1993 nach Deutschland kamen und zwei Monate davor mein leiblicher Vater starb, war es für mich und meine restliche Familie nicht so einfach das alles durchzustehen. Ich habe ein Jahr Praktikum gemacht, um die Sprache zu lernen. In dieser Zeit war das Geld sehr knapp, weil meine Mutter noch keine Arbeit hatte und ich auch noch nicht arbeiten konnte. Da bat ich Gott um Hilfe und einige Zeit später bekam ich in einem anonymen Briefumschlag in Alufolie eingewickelt einen Hundertmarkschein per Post geschickt. Das wiederholte sich noch weitere 5 Male, genau in der Zeit, in der ich es nötig hatte. Dabei habe ich niemandem erzählt, dass ich Geld brauchte. Ich hatte nur gebetet. Seitdem kann ich Gott immer vertrauen, auch wenn ich manchmal knapp bei Kasse bin. Seine Hilfe kommt immer, wenn ich sie brauche.