Für Physiker ist der Glaube einfacher

Ich bin Physiker und Christ – und das ist gut so! Sie meinen, das sei eine sonderbare Kombination?
Ich meine das passt ganz hervorragend zusammen. Physiker sind es gewohnt genau hinzuschauen, Theorien zu machen und – nicht ganz unwichtig – ihre Theorien zu ändern, wenn sie aufgrund neuer Beobachtungen zu anderen Ergebnissen kommen.
Physiker sind der Wahrheitsfindung verpflichtet sie gehen sorgsam mit Daten und Beobachtungen um (jedenfalls die allermeis­ten) und versuchen, aus ihren Beobachtungen die besten Schlüsse zu ziehen. Christen sind es (hoffentlich) auch gewohnt, genau hinzu­schauen, Gott immer besser kennenzulernen und – auch hier nicht ganz unwichtig – ihre Meinung zu ändern und Gott recht zu geben, wenn sie auf einem Irrweg sind. Christen sind ebenso der Wahrheit verpflichtet und Wahrheit ist hier nicht bloß ein rationales „Für-richtig- Halten“, sondern Jesus sagt von sich selbst:
„Ich bin die Wahrheit!“ Damit ist hier noch eine ganz andere Ebene angesprochen, nämlich die der persönlichen Beziehung zu Gott. Die meisten Physiker und auch die meisten Christen sind davon überzeugt dass es so etwas wie Wahrheit gibt und dass wir grund­sätzlich Wahrheit erkennen können, wenn auch nur zum Teil. Das macht den Glauben aus meiner Sicht für Physiker einfacher als für Geisteswissenschaftler oder gar politische Ideologen.

Die meisten von uns glauben nicht dass Wahrheit nur auf subjektiven Vereinba­rungen beruht oder nur eine Konstruktion unseres Gehirns und damit eigentlich gar nicht existent ist. Ich habe jedenfalls noch keinen Physiker getroffen, der so etwas behauptete wie: „In meiner Lebenswirklichkeit gibt es kein Gravitationsgesetz:“ Physiker glauben, dass die Welt rationaI verstehbar ist und es sich deshalb lohnt nach Naturgesetzen zu suchen. Gläu­bige Physiker, wie der berühmte Astronom Johannes Kepler, sehen die Ursache für die rationale Verstehbarkeit der Welt darin, dass ein rationaler Gott diese Welt erschaffen hat. Die meisten Physiker werden von der Sehn­sucht getrieben, zu erkennen, was „die Welt im Innersten zusammenhält“.  Es gibt Physiker, wie den inzwischen verstorbenen Stephen Hawking, die behaupten, dass das Universum sich selbst aus dem Nichts erzeugt hat. Andere Naturwissenschaftler, wie der bekannte Biolo­ge Richard Dawkins, behaupten, dass Natur­wissenschaft prinzipiell „alles“ erklären kann, selbst den Glauben an Gott. Viele Menschen denken zudem, Naturwissenschaft könnte zeigen, dass Gott falls es ihn überhaupt gibt, gar nicht in die Welt eingreifen kann. Wenn sie recht hätten, wäre Gott für uns Menschen gar nicht relevant, selbst wenn es ihn gibt. Mit Fragen dieser Art sind wir nun im scheinbar recht unwegsamen Dreiländereck zwischen Physik, Philosophie und Theologie gelandet. Als ich hin und wieder gebeten wurde, zum Verhältnis von Naturwissenschaft, Weltanschauung und christlichem Glauben zu sprechen, musste ich feststellen, dass man erst einmal viel „Geröll“ zur Seite räumen muss, be­vor die Schönheit der Landschaft sichtbar wird. Was dann aber am Horizont auftaucht ist faszi­nierend: Hinter den Ruinen atheistischer Erklä­rungsansprüche zeigt sich die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens, der viel weitreichen­dere und tiefere Antworten als der Atheismus geben kann, Warum gibt es überhaupt eine Welt? Warum ist sie so beschaffen wie sie ist? Folgt aus der physikalischen Beschreibung der Welt, dass Gott in seiner Welt „Hausverbot“ hat und auf die Rolle eines fernen Beobachters begrenzt ist? All dies sind Fragen, die ich in dem kompakten Buch „Gott und die Erklärung der Welt“ behandle. Ich möchte damit interessier­ten Menschen ohne spezielle Kenntnisse im Bereich der Physik, Philosophie oderTheologie nachvollziehbare Antworten auf manchmal nur scheinbar, oft aber auch wirklich schwieri­ge Fragen geben.

Ralf Bernhard Bergmann

Pro. Dr. rer. net. habil.