Meine Kindheit war geprägt durch Alkohol-, Drogen- und Gewaltexzesse meiner Mutter und ihrer ständig wechselnden Partner. Mit 12 Jahren fing ich an zu rauchen und zu trinken, bald kamen Drogen und Sex dazu. Mit 13 zog ich ins Heim und lernte, wie man Joints baut und wie man klaut, raubt und betrügt. Später zog ich zu meinem Vater, dann wieder zu meiner Mutter und meinem Stiefvater, die ständig betrunken waren, und nach einem erneuten Exzess meiner Mutter zu meiner Schwester und deren einjähriger Tochter. Kurz darauf wurde ich selber schwanger. Meine (scheinbare) Rettung! Ich hörte auf, Drogen zu nehmen, stellte das Rauchen ein, löste mich von meinem abartigen Freundeskreis und versuchte, mir ein solides Leben aufzubauen. Ich bezog eine kleine Wohnung, ging auf eine Mutter-Kind-Schule, und mit Zuschüssen vom Sozialamt und der Diakonie, konnte ich mir Möbel und ein Kinderzimmer sowie einen Kinderwagen kaufen.

 

Durch die Hölle

Von außen schien nun alles in Ordnung, aber in mir war alles leer. Mein Gedanke war: Nur der richtige Mann kann mich glücklich machen! Mit 17 Jahren lernte ich ihn kennen – den Mann, von dem ich glaubte, er würde meine verkorkste Seele retten. Er verstand meinen Schmerz, und wir verliebten uns unsterblich. Immer, wenn wir uns trafen und die Nacht miteinander verbrachten, waren Alkohol und Drogen im Spiel.

Doch allmählich geriet alles außer Kontrolle!

Er war ein Gangster, ein Verbrecher, ein Gewalttäter, ein Räuber und Betrüger im großen Stil. Er verkaufte Drogen und Frauen. Doch ich war ihm hörig und nicht in der Lage, ihn zu verlassen – nicht einmal, als er mich das erste Mal schlug. Er war betrunken, und wir waren in einer Kneipe, die wir als Wohnung nutzten, eigentlich ein Bordell. Dort schickte er Frauen zur Arbeit. Ich erinnere mich an den irren Ausdruck in seinen Augen; sie veränderten sogar etwas ihre Farbe. Er sah wie besessen aus – so wie früher meine Mutter, wenn sie durchdrehte und durch die Wohnung tobte oder sich voll Selbsthass die Arme aufschnitt. Dieser Mann griff mich in knapp drei Jahren mehr als zwanzigmal an, selbst als ich von ihm schwanger war. Ich versuchte mehrfach, mich von ihm zu trennen, zog ins Frauenhaus, zeigte ihn an. Aber er hatte die absolute Kontrolle über mich. Ich kam immer wieder zurück, zog die Anzeigen zurück und schwieg vor Gericht.Es kam der Tag, an dem ich wusste, dass er mich umbringen würde. Er brachte meine Kinder zu seiner Mutter. Den Abend und die Nacht davor hatte er mich schon massiv misshandelt. Mir tat alles weh. In meinem Mund war ständig der metallische Geschmack von Blut. Schon im Auto schlug er auf mich ein. Als wir an unserem Haus ankamen, hoffte ich nur, dass er schnell machen würde und ich nicht allzu lange leiden müsste, bis ich endlich erlöst sein würde. Aber er quälte mich noch tagelang und hielt sich die ganze Zeit mit Drogen wach. Er tat mir alles an, was man sich vorstellen kann. Und ich wollte nur noch, dass es aufhört und ich endlich tot wäre. Es waren die schlimmsten drei Tage meines Lebens. Es war die Hölle.

 

Endlich weg!

Irgendwann schliefen wir ein. Ich hörte im Schlaf eine Stimme, die meinen Namen rief. Davon wachte ich auf. Der Blick in den Spiegel und auf meinem Körper trieb mir das blanke Entsetzen ins Gesicht: Blutergüsse in allen Größen überzogen meinen Körper, Verbrennungen zeichneten meine Oberschenkel und meinen Intimbereich, und überall klebte geronnenes Blut.

Doch dann war ich hellwach: Ich musste hier weg! Das war meine Chance!

Eine Chance für ein neues Leben, in dem ich meine Kinder wiedersehen konnte, in dem ich nicht mehr misshandelt und vergewaltigt wurde! Ich beobachtete, ob er schlief, zog mir Turnschuhe und Jacke über, holte mein Handy aus seinem Auto und lief mitten in der Nacht um mein Leben. Bei seiner Mutter angekommen, zog ich, da ich nicht sprechen konnte, meine Hose herunter, um ihr zu zeigen, was ihr Sohn mir angetan hatte. Sie rief die Polizei und einen Krankenwagen. Die Kripo stürmte das Haus und sicherte alle Beweise. Er selbst war nicht mehr da, stellte sich später aber der Polizei. Neun Jahre Haft – so lautete das Urteil.

 

Ein neues Herz

Ich zog 350 Kilometer weit weg und hatte eine posttraumatische Belastungsstörung, nahm Antidepressiva, hatte Alpträume, Schlafstörungen, Angstzustände, Panikattacken, Flashbacks, Kaufsucht, Essstörungen und starrte die Wand an. Ich begann mit Medikamentenmissbrauch, um wenigstens schlafen zu können.

Doch Gott ist gut.

Ich lernte einen neuen Mann kennen, den anständigsten Menschen, den ich kenne. Er musste viel von dem Schmerz, den ich erlitten hatte, ertragen, weil ich diesen an ihm ausließ. Wir trennten uns und ich reichte die Scheidung ein.

Im Trennungsjahr entstand wieder Kontakt zu meinem Vater. Er lud mich in eine christliche Gemeinde ein. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn meine Frage nach dem Warum war unüberhörbar laut in meinem Kopf. Und ich wollte eine Antwort! Von Gott persönlich!

Der Pastor sprach so, als ob er mich kannte. Und ich spürte, an diesem Ort war etwas anders als in der Welt da draußen. Nach einigen Predigten machte der Pastor einen Aufruf: Wer ein gebrochenes Herz hätte, solle nach vorne kommen; er würde für denjenigen beten. Ich ging nach vorne. Während der Pastor für mich betete, merkte ich, wie mein versteinertes Herz ganz weich wurde. Ich fühlte mich, als würde etwas ganz tief in mich hineinziehen. Und das erste Mal weinte ich – erst vor Trauer, dann vor Erleichterung und am Ende vor Liebe. Was war da nur passiert? War das echt? Waren das Nebenwirkungen von den Medikamenten, die ich nahm? Nein, das war Jesus!

Er klopfte all den Staub von meinen Schultern, er wusch mich rein und zeigte mir seine überfließende Liebe.

Ich muss vergeben

Aber mein sündiges Leben wollte ich noch nicht aufgeben, mich ab und zu mal betrinken, Drogen nehmen, Sex haben. Ich schluckte diese Lügen Satans täglich gemeinsam mit den Antidepressiva. In der Gemeinde empfahl man ein Buch von Joyce Meyer („Tu dir selber einen Gefallen und vergib“). Während ich das erste Drittel las, betete ich: „Herr, ich weiß, ich muss vergeben, aber ich will nicht. Hilf mir dabei!“ Ab dem zweiten Drittel des Buches betete ich: „Herr, ich weiß, ich muss vergeben, aber ich kann nicht.“ Und als ich das Buch durchhatte, betete ich von ganzem Herzen: „Herr, ich will vergeben. Hilf mir dabei!“

Ein paar Tage später warf ich meine Antidepressiva in den Müll. Meine Alpträume hörten auf, meine Angstzustände verschwanden, ebenso meine Panikattacken. Meine Flashbacks wirkten nur noch wie alte verblasste Erinnerungen. Das einzige, was bis heute geblieben ist, ist ein leichter Schlaf.

 

Endlich das Leben, für das Jesus gestorben ist

Ich entschied mich, ganze Sache mit Gott zu machen. Ich wollte alles, was ich erlebt habe, nutzen, um Gottes Reich zu bauen. Ich ging nun in eine andere Gemeinde, ließ mich taufen und gründete einen „Sisterhood“-Hauskreis für Frauen. Und ich heiratete meinen zweiten Mann noch einmal, dieses Mal als Christin, und auch er hatte sich kurz vor unserer Hochzeit bekehrt. Ich gründete eine Großtagespflegestätte in der Gemeinde und machte eine Ausbildung zur Individualpsychologischen Systemberaterin. Heute helfe ich Frauen, aus ihren inneren Gefängnissen heraus in das siegreiche Leben, für das Jesus gestorben ist. Ich bin Mentorin, Lifecoach, Seelsorgerin und Bloggerin und gebe Workshops und Seminare.

Ach ja, Gott gab mir auch eine Antwort auf mein Warum. Ich fand sie in der Bibel, bei Lukas, Kapitel 11,24-26 – der Stelle, in der es darum geht, dass Dämonen dorthin zurückkehren, wo sie hergekommen sind. So verstand ich, wie ein Mensch, der eigentlich „normal“ ist, sich auf einmal in das pure Böse verwandeln kann.

 

Autorenprofil:

Jessica Verfürth, 31 Jahre, verheiratet und dreifache Mama; Pädagogin, Lifecoach für Frauen, Bloggerin und Autorin, die zurzeit an einem Buch über ihr Leben arbeitet, das anderen Menschen Mut machen will. Mit ihrer Arbeit als Lifecoach möchte sie Frauen erreichen und ihnen helfen, das Leben zu führen, für das sie geboren wurden. Weitere Informationen finden Sie unter:  cobz.de (Christliches online Beratungszentrum)

Frau Verfürth veranstaltet den „Siegreich leben – Online-Kongress“, auf dem Experteninnen rund um das Thema „Frau sein“ sprechen. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung ab sofort unter siegreichlebenonlinekongress.de, wo ab September 2018 die Kongressinhalte abrufbar sein werden.

 

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